Festgehaltene Erinnerungen

Gewiss, Theater auf DVD ist bloß noch halbes Theater. Eher eine Dokumentation dessen, was einmal die Bühne – und vor allem den Kopf und die Seele des dabei gewesenen Zuschauers – beherrschte. Doch ohne diese Aufnahmen wäre das Gedächtnis ohne Stütze und ginge nicht selten fehl. Das Wiedersehen ist lehrreich – weil erschütternd, eine Wiederbegegnung mit Schauspielern auf dem Höhepunkt ihrer Ausdruckskraft, von denen viele inzwischen längst nicht mehr leben, wie Inge Keller, Fred Düren…

Weiter lesen

Wegmarken des Denkens

Einen Band voll von eigenwilligen Lektüren und brillanten Ideen gibt es jetzt endlich auf Deutsch: Freddie Rokems vor sieben Jahren erschienenes Buch „Philosophers and Thespians“ liegt unter dem Titel „TheaterDenken“ nun in der Übersetzung vor, wobei der doppelsinnige Untertitel „Thinking Performance“ zum Haupttitel geworden ist. Rokem, Professor emeritus für Theaterwissenschaft an der Universitat Tel Aviv, errichtet darin Wegmarken für ein Gelände, das sowohl Theaterschaffende als auch die Philosophie für sich beanspruchen: den Bühnenraum des Denkens.…

Weiter lesen

Woyzeck in Peking

Das Buch „Zeitgenössisches Theater in China“ versucht auf 440 Seiten, eine Kartografie deutschen oder besser deutschsprachigen und chinesischen Theaterinteresses aus der Sicht des frühen 21. Jahrhunderts vorzustellen. Die drei Herausgeber, eine chinesische Theaterkünstlerin, eine deutsche Kulturjournalistin und Theaterkritikerin und ein deutscher Theaterwissenschaftler, Dramaturg des Paper Tiger Theater Studios Peking und Dramaturgie-Professor, haben sich zusammengefunden, um dieses Buch zu konzipieren. Dass die Veröffentlichung sechs Jahre gedauert hat, zeugt von einem langen Atem, Durchhaltevermögen sowie davon, wie…

Weiter lesen

Ungeschliffene Murmeln

„Die Aristokraten“ heißt einer der jüngsten Theatertexte von Sasha Marianna Salzmann, ein klaustrophobisches Kammerstück über ein Geschwisterpaar. Zwillinge, die sich in einer Wohnung hoch über einer Stadt mal streicheln, mal zerfleischen, während die Stadt unten im kriegsähnlichen Chaos versinkt. „Außer sich“, der erste Roman der Theaterautorin, der es gleich auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte, nimmt das Motiv der unentwirrbaren Geschwisterliebe der „Aristokraten“ auf, holt aber diese Liebe heraus aus der Abschottung, heraus aus…

Weiter lesen

Krampf und Widerstand

Über die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kunst in Diktaturen ist viel – man kann sagen: hinreichend viel – gesagt und geschrieben worden. Der Vorwurf, Russland habe sich in einen despotischen Staat verwandelt, ist populär, vielleicht nicht ganz von der Hand zu weisen; doch schwingt bei dieser Anschuldigung stets auch politisches Kalkül mit. Der russische Aktionskünstler Pjotr Pawlenski meint es ernst, wenn er seine Kunst als dringliche Intervention gegen einen unterdrückerischen Machtapparat versteht, allerdings aus einem…

Weiter lesen

Copyright © 2018 - Einar & Bert